Projekt: Heimstudio top (zum Hauptmenü)
Wer Homerecording betreibt, muss sich Gedanken machen, wie er das am besten
hinbekommt. Allerdings ist es heute etwas einfacher geworden, da die Anzahl
der Geräte in einem Heimstudio erheblich geringer geworden ist als früher.
Während sich in der 80er-Jahren noch rings um ein mehr oder weniger großes
Mischpult diverse Peripheriegeräte wie Hall, Kompressor, Noise Gate usw.
stapelten, ist heute der PC die zentrale Anlaufstelle.
Im
Klartext bedeutet das, dass jeder gut bestückte Aldi- oder Lidl-PC die
Grundlage für ein gehobenes Heimstudio bildet. Im Gegensatz zu früheren
Homerecording-Zeiten hat der Computer sein Sklavendasein aufgegen, denn damals
diente er nur als Abspielgerät für MIDI-Files oder zum Ansteuern von Keyboards
und Samplern per MIDI-Interface. Heute ist der PC das Studio. Ein
Mischpult wird nur noch dann notwendig sein, wenn es gilt, mehrere analoge
Geräte gleichzeitig einzuspielen. Ein "Einzelkämpfer", der der Reihe nach
Gitarre, Bass, Gesang usw. aufnimmt, kommt mit dem Stereoeingang einer guten
Soundkarte aus. Jeder weitere Bearbeitungvorgang der Sounds geschieht auf
digitaler Ebene im Computer: das Zusammenmischen, die Klangbearbeitung, das
Schneiden, das Speichern, das Brennen auf CD. Allerdings möchte ich davor
warnen zu glauben, Recording sei damit einfacher geworden. Wer mit dem PC
arbeitet, muss jede Menge Einarbeitungszeit kalkulieren, das der Zugriff auf
die Elemente und Parameter sehr viel undurchschaubarer ist als etwa bei einem
analogen Mischpult oder einem Keyboard mit Fabriksounds.
Grundausstattung des PC: top
2-GHz-Prozessor, mindestens 512 MB RAM, sehr
große Festplatte (80-120 GB, besser noch 2 für die Datensicherung), gehobene
Soundkarte 16/24 Bit - analoge und digitale Ein- und Ausgänge
Sparen sollte man nicht an der Software. Das
Programm aus dem Kaufhaus für 25 Euro, mit dem man angeblich in Windeseile per
Mausklick den Superhit kreieren kann, taugt für unsere Zwecke überhaupt nicht.
Wir benötigen eine Software, die voll MIDI-fähig ist, die voll Audio-tauglich
ist, die Studioeffekte und Synthklänge bereitstellt und das alles auch in
Echtzeit verarbeiten kann. Steinberg hat dafür mit seiner VST-Software
(Virtuelle Studio Technologie) den Grundstein gelegt. Das aktuelle Cubase
SX erfüllt alle Vorraussetzungen für ein perfektes Heimstudio, ist aber
auch dementsprechend teuer. Aber man sollte nicht vergessen, dass man jede
Menge Hardware spart, die möglicherweise ungleich teurer ist. Cubase liefert
gleich ein ganzes Bündel an Effekten, so genannten Plugins, die man in das
Programm einklinken und sofort die Wirkung kontrollieren kann. Hall, Chorus,
Kompressor oder Equalizer stehen unmittelbar bereit zum Einsatz. Alles
zusammen ist über die integrierte Mischpultfunktion steuerbar. Daneben werden
mit Cubase auch virtuelle Instrumente angesteuert, die selbst verwöhnte Ohren
verblüffen. So gibt es von Steinberg als Plugin den akustischen Flügel The
Grand, der beeindruckende Flügelsounds erzeugt.
Ein ähnliches Programm wie Cubase SX mit
ähnlichen Möglichkeiten ist Logic Audio von Emagic. Allerdings
ist die Anschaffung nur für Mac-User anzuraten, da die Firma Emagic von Apple
gekauft und der PC-Support eingestellt wurde.
Will man überwiegend Audiomaterial aufnehmen ohne MIDI, so sollte die
Recording-Software auf Audiospuren spezialisiert sein. Zwar kann man dies
auch mit Cubase oder Logic realisieren, schießt aber damit womöglich übers
Ziel hinaus. Ein sehr übersichtliches Programm ist Adobe Audition
(früher Cool Edit Pro), das voll mehrspurfähig ist und zudem eine ganze
Palette an Bearbeitungstools mitliefert bis hin zu Delay und Hall. Praktisch
ist die Möglichkeit, alle aufgenommenen Audiospuren gleichzeitig auf eine
Stereospur herunter zu mischen (Mixdown).
Mit dem High End-Programm Nuendo von Steinberg ist man in allen
MIDI- und Audiowelten zu Hause und begibt sich in Richtung Profistudio, in
dem auch 5-Kanal-Surround kein Problem ist.
Die Arbeit mit solchen Programmen steht und fällt mit der RAM-Ausstattung
des PC. Je mehr Speicher, desto besser. Ansonsten muss das Programm bei
großen Mengen an Audiomaterial ständig auf die Festplatte auslagern, was zu
schneckenartigem Tempo bis hin zum Stillstand führen kann.
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Soundkarte
top
Wer analoge Signale aufnehmen will, also
etwa Gitarrensounds, kommt nicht umhin, eine hochwertige Soundkarte
anzuschaffen. Denn es muss ja ein Frequenzsignal in ein Digitalsignal
gewandelt werden, also eine Welle in Bits. Dazu muss der Eingangswandler der
Soundkarte das Eingangssignal möglichst genau abbilden. Er sollte daher
mindestens eine Bitrate von 20 haben. Bei der Aufnahme steht dann eine
Bandbreite von 16 Bit zur Verfügung. Damit können 65 535 verschiedene
Lautstärkestufen erfasst werden. Der Dynamikbereich reicht von -96 bis 0 dB.
Der höchste Wert für die Wiedergabe eines digitalen Signals ist immer 0 dB,
mehr geht nicht. Mehr als 0 dB kann eine CD nicht wiedergeben, sie hat im
Gegensatz zu einer Audio-MC keinen Headroom. Dort kann man auch über 0 dB
aussteuern und kommt erst langsam in den Bereich des gezerrten Signals
hinein. Bei digitalen Aufnahmen wird bei mehr als 0 dB Aussteuerung der
Clipping-Effekt eintreten, d. h. es knackt hörbar und unangenehm.
Wer digital aufnimmt, tut also gut daran,
zunächst unter 0 dB zu bleiben. Ein Wert von -6 dB ist angemessen für das
Rohmaterial einer Aufnahme. Je nach Qualität des Wandlers in der Soundkarte
verliert durch die niedrigere Aussteuerung die Aufnahme 1-4 Bit, real sind
also 12-15 Bit AD-Wandlung vorhanden. Damit können nur noch 4096 (bei 12
Bit) Lautstärkestufen abgebildet werden, also ein Qualitätsverlust. Der kann
durch die höhere Bitrate des Soundkartenwandlers ausgeglichen werden. Eine
20-Bit-Karte interpoliert die Aufnahme wieder auf 16 Bit. Auf der ganz
sicheren Seite ist man natürlich, wenn man eine Soundkarte mit
24-Bit-Wandlern einsetzt, die in der Regel auch mit einer höheren Abtastrate
arbeitet. Die Terratec EWX 24/96 kann Klänge mit 96 oder 192 kHz
samplen. Eine solche Karte reicht völlig aus für normale
Recording-Anforderungen. Ebenso eine SoundBlaster Live von Creativ.
Andere Spezialkarten bedienen mehr die
Aufnahme mit analogem Equipment, da sie mehrere Ein- und Ausgänge haben. Das
ist aber, wie oben schon gesagt, nur sinnvoll, wenn man viele analoge Geräte
hat und diese noch einmal über ein Mischpult führen muss (will). Solche
Spezialkarten sind in der Regel als Audiokarten ausgelegt, d.h. sie haben
keinen eigenen Soundchip zur Erzeugung von Klängen. Ich habe
zum Beispiel eine Terratec EWS 88 MT, die 8 analoge Ein- und Ausgänge hat,
denn ich komme ohne Mischpult nicht aus, da ich meine
MIDI-Expander/Keyboards nicht komplett ausmustern will und oftmals auch
mehre Instrumente (in einer Session) gleichzeitig aufnehme. Zu den High
End-Karten in diesem Bereich gehört die LUNA II von Creamware.
ASIO
Wichtig für das Recording im MIDI- und Sound/Audiokarten-Verbund
ist der ASIO-Standard.
ASIO (Audio Stream/Input/Output) wurde von Steinberg
entwickelt und ist ein plattformübergreifendes
Mehrfachkanal-Audio-Übertragungsprotokoll, das von vielen Herstellern von
Audio/MIDI Programmen verwendet wird. Es erlaubt diesen Programmen auf die
Mehrfachkanalfähigkeiten einer grossen Zahl von Soundkarten zuzugreifen.
ASIO 2.0 ist die aktuelle Version.
Das ASIO-Interface stellt eine einheitliche Schnittstelle zur Verfügung,
über die Audio/MIDI-Programme Zugang zu allen verfügbaren Ein- und Ausgängen
einer Soundkarte haben. Der Nutzer kann diese Ein- und Ausgänge nach
Belieben für Aufnahme oder Wiedergabe mittels ASIO-kompatibler Software
nutzen.
ASIO ist bewusst auf sehr niedrige Latenzzeiten
(Verzögerungszeiten zwischen Anfrage und Ergebnis) ausgelegt - im Gegensatz
z.B. zu DirectSound (oder noch älteren Windows API Soundschnittstellen).
D.h. der Soundtransport/-zugriff über ASIO läuft schnell ab, und Ergebnisse
sind sehr zeitnah an der Anfrage, typischerweise 2-7 ms. Das macht ASIO bei
vielen HD-Recording- und Musik-Anwendungen nötig, da es hier darauf ankommt,
auf Kommando möglichst sofort, also ohne hörbare Verzögerung, das
gewünschte Ergebnis zu hören.
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ADAT
top
Wer es ganz professionell will, kombiniert
seine MIDI-Schnittstelle mit einem ADAT-Interface (Advanced Digital Audio
Tape). Dieser Standard wurde einmal von der Firma Alesis ins Leben
gerufen, um ADAT-Maschinen, also 8-kanalige DAT-Rekorder, miteinander
koppeln zu können. ADAT-Gerät können mit Lichtwellenkabeln verbunden werden.
Aus 8 Spuren werden so schnell 16 oder 24. Ein Gerät fingiert als Master,
die anderen als Slaves. Ein ADAT-Kabel überträgt immer 8 Kanäle (statt 2 bei
S/PDIF).
In professionellen Tonstudio ist dieser
Standard erhalten geblieben, weil er einfach und widerstandfähig ist. Allein
der Kabelsalat reduziert sich beachtlich. ADAT-Interfaces stehen als
PCI-Karte mit ein oder mehreren Ein- und Ausgängen zur Verfügung, hinzu
kommen ADAT-Wandler. Bei möglichen 8 Ein- und Ausgängen (ab 350 Euro)
stehen also 64 Kanäle zur Verfügung: internationaler Studio-Standard!
Es ist nur logisch, dass man bei so vielen
Eingängen auf ein Mischpult verzichten kann (wenn man will), indem man seine
analogen Signalquellen direkt anschließt und in die Recording-Umgebung etwa
von Cubase SX einbindet. Durch das Direct-Monitoring geht das auch prima.
Mit ProTools von Digidesign wird ein solches Konzept
schon lange verfolgt. Allerdings hat es seinen Preis, da die Datenberechnung
nicht im PC-Prozessor, sondern auf der ProTools-Karte mit sehr teuren DSPs
(Digital Signal Prozessor) erfolgt.
Insgesamt ist die
Soundkarten/Cubase-Variante für Amateurmusiker völlig ausreichend, weil
preisgünstig, ohne dass man Qualitätsabstriche machen muss.
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Aufnehmen
top
Probleme bereitet das Aufnehmen im Heimstudio
immer dann, wenn es um akustische Aufnahmen geht. Es ist auch unter Profis
umstritten, wie man nun am besten Gesang oder Drums oder Trompete aufnimmt.
Jeder Tontechniker hat da so seine Rezepte und schwört auf dieses oder jenes
gut abgelagerte Mikrofon.
Fakt ist, dass Gesang tunlichst mit einem
Großmembran-Kondensatormikrofon zu konservieren ist. Dynamische Mikrofone,
wie sie auf der Bühne zum Einsatz kommen, verfärben die Stimme durch den so
genannten Nahbesprechungseffekt, die Stimme wird im Bass angehoben und es
kommt auch leichter zu Zisch- und Plopgeräuschen. Für ein solches
Großmembran-Mikrofon kann man sehr viel Geld ausgeben, etwa für ein
Neumann zum Monatsgehalt. Für uns Normalverbraucher reichen auch
Exemplare von AKG, T-Bone oder Behringer.
Will man akustische Gitarren einspielen, so
sollte man sich vielleicht die Anschaffung solcher Instrumente mit
eingebautem Tonabnehmer überlegen wie man es etwa von Ovation kennt.
Eine Konzertgitarre mit einem Shadow-Tonabnehmersytem gibt es zum Beispiel
von der bekannten Marke Aria zu einem wirklich moderaten Preis.
Ansonsten empfiehlt sich das Experiment. Es kann durchaus sein, dass in
diesem Fall ein dynamisches Mikrofon mit Hypernieren-Charakteristik besser
als ein Kondensatormikro klingt.
Schlagzeugaufnahmen sind wohl bei
Homerekordern eher selten. Sie klingen auch in der normalen Zimmerumgebung
nicht besonders toll. In Studios gibt es dafür spezielle Schlagzeug-Räume.
Wenn´s denn sein soll, bringt es wohl mehr, wenn man sich ein digitales
Drumset anschafft. In der Regel werden aber die Drums der MIDI-Software
angesteuert, die im Grunde recht passabel klingen. Das Gleiche gilt für
Piano- und Flügelsounds. "The Grand" von Steinberg kann man kaum selber
besser aufnehmen.
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Abhören top
Wenn der PC das Tonstudio ist, dann sollten
allerdings die üblichen PC-Lautsprecher nicht zum Abhören dienen. Die können
noch so teuer sein, sie eignen sich nicht zur Beurteilung der Aufnahmen. Vor
allem kommt es auf ein lineares Frequenzbild mit hoher Auflösung und eine
gute räumliche Abbildung aller Instrumente an. Auch die Boxen der
HiFi-Anlage reichen für unsere Studiobedürfnisse nicht. Man kommt nicht
umhin, die Anschaffung von Studiomonitoren (Abhörlautsprecher) ins Auge zu
fassen. Am besten nimmt man gleich Aktiv-Boxen (die erträglich teurer sind),
dann entfällt der zusätzliche Kauf eines Verstärkers. Ab 500 Euro für ein
Paar ist man auf der sicheren Seite, etwa bei Tannoy, Mackie
oder Behringer.
Alternativ sind auch gute Studiokopfhörer
möglich. Zwischen 100 und 200 Euro muss man schon anlegen. Entsprechende
Modelle gibt es zum Beispiel von AKG oder Beyerdynamic. | | top | |
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